Teilnehmer 13 .Tagung

Mehr als 100 Teilnehmer besuchten die von der AG – Artenschutz, dem VANT und den Berufsfischern organisierte 13. „Fischartenschutztagung“.

13. Fachtagung Fischarten & Gewässerschutz in Jena

Vom 19. Bis 20. Februar 2016 fand im Best Western Hotel in Jena die 13. Fachtagung Fischartenschutz & Gewässerökologie statt. Ausrichter waren die Arbeitsgemeinschaft Artenschutz Thüringen e.V., der Verband Angeln und Naturschutz Thüringen e.V. und der Thüringer Fischereiverband e.V. Die Vereine hatten zahlreiche Wissenschaftler geladen, die ihre Ergebnisse den über 100 Teilnehmern vorstellten. Nach der Einführung und dem Grußwort des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft begann Herr Dr. Schneider vom BFS, Büro für fisch- und gewässerökologische Studien den Vortragsreigen. Seine Ausführungen beschäftigten sich mit der Bewertung der Fließwasserqualität nach WRRL mittels der Fischfauna. Diese Bewertungen werden stark verfälscht, wenn durch den Fraßdruck der Kormorane die Fischfauna massiv beeinträchtigt wird. Die Fische werden aus strukturreichen Gewässerabschnitten in verbaute innerstädtische Bereiche verdrängt, in denen der Kormoran seltenerjagt.

Sein Kollege Dr. Hübner berichtete dann über erste Einschätzungen, dass durch eine mangelnde Beweidung der Gewässersohle, das hyporheische Interstitial negativ beeinflusst wird. An den Beispielflüssen Nister und Ahr konnte gezeigt werden, dass es bei gleichbleibenden Nährstoffkonzentrationen seit einiger Zeit zu Algenblüten kommt. Dies wird auf eine Reduktion der Großfische, wie Nasen und Döbel, die als Weidegänger den Gewässergrund abweiden, zurückgeführt. Diese Fischarten werden massiv vom Kormoran gefressen. Es wird nun versucht, durch Biomanipulation diese Fischarten an einigen Gewässerabschnitten zu fördern, und so das Interstitial wieder algenfrei zu bekommen. Erste Ergebnisse zeigen, dass dort, wo die Fische häufiger sind, der Sauerstoffgehalt im Lückensystem wieder bis in 10 cm Tiefe ansteigt.

Herr Roth von der Hydroenergie Roth GmbH zeigte in seinem Vortrag ein paar eindrucksvolle Videosequenzen von einem Fischlift Modellversuch an der Universität Karlsruhe. Am Baldeney-Stausee an der Ruhr soll ein Höhenunterschied von 9 m mittels eines Fischlifts als Auf- bzw. Abstiegshilfe überwunden werden. Probleme liegen zum einen in der Auffindbarkeit der Einstiege und der Durchströmung der Liftkammern beim Einstieg. Es zeigte sich, dass die Fische im Modell bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 0,5 m/s den Einstieg in die Kammer gut finden und einschwimmen.

Herr Prof. Brunken von der Hochschule Bremen ging in sehr unterhaltsamer Art und Weise der Frage nach, ob es mehrere Arten des dreistachligen Stichlings gibt. Seit langer Zeit sind verschiedene morphologische Formen des dreistachligen Stichlings beschrieben, mit vielen Knochenplatten an der Seite oder mit nur wenigen. Ob sich diese Ausprägungen nun als Arten Gasterosteus aculeatus (viele Knochenplatten) und G. gymnurus (wenig Knochenplatten) differenzieren lassen, bleibt fraglich. Es scheint größere Gemeinsamkeiten zwischen den zeitweilig im Meer lebenden Stichlingen und den stets im Süßwasser vorkommenden zu geben.

Herr Edler von der Oberen Fischereibehörde der Bezirksregierung Münster berichtete da­rüber, dass nach vorliegenden Untersuchungen schwimmschwache Kleinfischarten die meisten Fischaufstiegsanlagen nicht passieren können. Es reicht aus, dass in einem einzigen Becken einer Fischtreppe, die Strömungsgeschwindigkeit zu hoch, der Absturz zu groß oder die Energiedichte zu hoch ist, um eine Passierbarkeit von Kleinfischen, oft FFH-Arten, zu verhindern.

Den Abschluss des ersten Tages machte ein Vortrag von Torsten Berger und Daniel Schmidt vom Gewässerökologischen Büro der iHC Hydro Consult GmbH. Sie stellten die verschiedenen Möglichkeiten der Muschelbergung und -Umsetzung in Gewässern bei Baumaßnahmen vor. Die Großmuschelarten sind alle nach Bundesartenschutzverordnung geschützt, sodass sie bei Baumaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Sie können vor Beginn der Maßnahme in einer Nassbergung mittels Tauchen, Abtasten des Grunds oder Kescher und Harke gesammelt werden. Wenn eine Baugrube trocken gelegt wird, können die Muscheln auch dann aufgesammelt werden. Selbst das Durchsuchen von Baggergut am Ufer bietet noch Möglichkeiten, Muscheln vor dem Vertrocknen zu retten.

Den zweiten Tag begann Herr Dittrich (Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie), der über eigendynamische Prozesse in Fließgewässern berichtete. Zu den vielfältigen Möglichkeiten, Gewässern einen natürlichen Verlauf zu geben, gehört eben auch, z.B. Totholz im Gewässer zu belassen und dort, wo Platz ist, dem Gewässer die neuen Wege zu gönnen. Vor allem wird hier Geduld benötigt, da natürliche Prozesse etwas mehr Zeit benötigen als eine ingenieurtechnische Umsetzung. Die Fischschleuse Höllenstein am Schwarzen Regen war das Thema von Frau Schmalz vom Hydrolabor Schleusingen, ISWÖ GmbH. Untersuchungen, welche Parameter das Einschwimmen von Fischen in die Druckkammer der Schleuse beeinflussen, zeigte sich, dass die Strömungsgeschwindigkeit und die Öffnungszeiten der Einschwimmöffnung nur wenige Auswirkungen hatten. Eine deutliche Steigerung der Aufsteigerzahlen konnte durch eine Beleuchtung der Kammer erreicht werden.

Einen sehr unterhaltsamen Vortrag bot Herr Dr. Stemmer von der oberen Fischereibehörde des Regierungsbezirks Arnsberg. Er zeigte eindrucksvolle Bilder der Emscher und ihrer Nebengewässer aus den 70ziger Jahren, ein vollkommen ausgebauter Abwasserkanal. In einigen Zuflüssen hatten sich aber offenbar Koppen gehalten, die nun teilweise als Grundlage für den Besatz mittlerweile wieder sauberer und renaturierter im Emschereinzugsgebiet Gewässer dienen. Der Besatz war erfolgreich, wie die einjährigen Koppen, die im folgenden Jahr gefangen wurden, belegen. Frau Ilicheva und Dr. Hassinger von der Universität Kassel stellten die Verwendung von Borsten zur Verbesserung von hydrologischen Parametern in Bachverdolungen vor. Durch das Einbringen von Borsten wird die Rauigkeit erhöht und der Wasserspiegel steigt an, sodass die Durch­gängigkeit solcher Röhrenstrukturen verbessert wird.

Herr Schmidt von der iHC Hydro Consult GmbH sammelt nicht nur Muscheln (siehe oben), sondern ist auch mit der Überprüfung von Fischaufstiegsanlagen beschäftigt. Im Priorgraben bei Cottbus gibt es zahlreiche Stufen, von denen er vier vorgestellt hat. Sie funktionieren unterschiedlich gut, wobei erstaunlicherweise, eine mit relativ hoher Strömungsgeschwindigkeit in den Becken, gerade Kleinfischen den Aufstieg ermöglicht hat. Mit HDX-Transpondern werden die verschiedenen Abstiegsmöglichkeiten an einer Wehranlage an der Wupper überprüft. Herr Dr. Irmscher vom Institut für angewandte Ökologie hat Umgehungsgerinne, Fischpass, Oberflächen- und bodennahe Bypässe sowie den Turbinendurchgang und den Spülschütz hinsichtlich der Wanderung von Lachssmolts und Aalen untersucht. Es zeigte sich, dass vor allem der oberflächennahe Ausstieg und der Schlitzpass für den Abstieg genutzt wurden. Über das Raugerinne, den Fischpass, das Wehr selbst und die anderen Bypässe gelangten nur wenige Fische in das Unterwasser. Ebenso häufig gelangten Fische über den Spülschütz, wobei hier nicht gesagt wurde, inwieweit die Fische dies lebend taten. Die Bernshäuser Kutte ist ein Erdfallsee in Thüringen, der seit 1942 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Historische Daten zeigen, dass dieses mit 45 m tiefste Gewässer Thüringens früher bis in 35 m Tiefe Sauerstoff aufwies. Heute liegt die Sauerstoffgrenze bei 5 m. Die Vortragenden von der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen führen dies auf eine zunehmende Eutrophierung durch Einträge aus der umliegenden Landwirtschaft zurück. 2011 kam es zu einem großen Fischsterben aufgrund von Sauerstoffmangel. Trotz Vorschlägen von zu ergreifenden Maßnahmen bleibt fraglich, ob das Gewässer noch zu retten ist.

Herr Dr. Meinelt, Frau Wager und Frau Irab vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei aus Berlin stellten Versuchsergebnisse zur Toxizität von Kaliabwässern bei Fischen vor. Als Modellorganismus dient der Zebrabärbling, der bei höheren Konzentrationen von Kalisalzen deutliche Schädigungen der Kiemen aufwies und Schädigungen in der Embryonalentwickung. Ionengemische sind dabei toxischer als Einzelsubstanzen und Magnesium ist gefährlicher als Kalium. Die in den Tests verwendeten Kon­zentrationen waren den erlaubten Einleitungswerten für Kaliabwässer in das Weser/Werra-System nachempfunden. Frau Friedl vom Institut für angewandte Ökologie Kirtorf-Wahlen versuchte die Frage zu beantworten, ob es in der Elbe Wanderquappen gibt. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zeigen eine hohe Variabilität in der Größe von 2-jährigen Quappen. Es gibt zwar ein Wanderverhalten von Quappen, aber Hinweise, dass es sich dabei um differenzierbare Ökotypen handelt, wurden nicht gefunden.

Den Abschluss der Vortragssession bildete Herr Walter, ebenfalls vom Institut für angewandte Ökologie Kirtorf-Wahlen. Er stellte noch einmal die HDX-Transponder-Technik vor und ging vor allem auf die Verträglichkeit der Transponder für Fische ein. Fische scheinen keine Probleme mit den Fremdkörpern in ihrer Bauchhöhle zu haben. Von knapp 30 untersuchten Zandern verlor ein Weibchen den Transponder beim Laichvorgang.

Die Tagung bot viele interessante Vorträge und hatte mit erstmals mehr als 100 Teilnehmern Rekordbeteiligung. Es war schon Nummer 13 und dies scheint kein Unglück zu bedeuten. Die Veranstalter baten um Einreichung von Vorträgen für Februar 2017.

Thomas Struppe

DAFVeV.

Malte Frerichs

VDSFLV Berlin-Brandenburg e.V.

 

 

13. Fachtagung Fischarten & Gewässerschutz in Jena