Bericht zur 15. Fachtagung Fischartenschutz und Gewässerökologie 2018

Seit 15 Jahren wird jährlich eine Tagung von Wissenschaftlern, Behörden, Sachverständigen und Angel – und Fischereivereinen zur besseren Vernetzung von Wissen und Praxis im Umgang mit den Gewässern Deutschlands durchgeführt. Die diesjährige Fachtagung fand am 16. und 17. Februar im Best Western Hotel in Jena statt. Ausgerichtet wurde sie von der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V., unterstützt vom Thüringer Fischereiverband e.V. und dem Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen e.V.. Herr Martin Görner, Leiter der AAT e.V. stimmte den voll besetzten Tagungsraum mit den Hinweisen auf faktenbasierte Arbeiten, wissenschaftliche Grundlagen und vor allem die Notwendigkeit von Glaubwürdigkeit in dieser schnelllebigen Zeit ein. Er mahnte an, dass die heutigen Forderungen und Wünsche verschiedener Gruppierungen stets auf glaubwürdige Argumente und belastbare Fakten geprüft werden müssen. Auch die fundierten Aus – und Weiterbildungen bieten zukünftige, tragfähige Lösungen.

Der Referatsleiter für Forsten, Jagd und Fischerei des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft, Herr Achim Ramm, begrüßte die Teilnehmer und hob die kontinuierliche Durchführung dieser wohl einmaligen Fachtagung hervor.

Die Themenbreite der beiden Tage erstreckte sich von Erfahrungen im Einsatz von Unterwassertechnik, über die praktischen Arbeiten örtlicher Angelvereine bis hin zur Umsetzung von Maßnahmen zur Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) aus Sicht von Behörden. Beispielgebend für die Themen stellen wir drei Vorträge näher vor.

1. Recent developments of RFID technology in US and Europe – overview of past and recent moni- toring projects – Armando Piccinini (Parma / Italien)

Der Einsatz von verschiedenen Transpondern zur Überwachung von Fischwanderungen in Gewässern bietet der Wissenschaft unglaubliche Forschungsmöglichkeiten. Seit ungefähr 30 Jahren werden weltweit Fische mit Sendern versehen. Anfänglich waren es nur Großfische, mittlerweile ist es möglich, Fische von einer Größe bis zu vier Zentimetern zu besendern und zu überwachen. Mit verschiedenen Antennen und Sendern kann man so Funktionalität von Fischwanderwegen überwachen und dokumentieren. Diese Technik wird weltweit eingesetzt und hat sich mittlerweile bewährt. Alleine in einem Bereich in Westamerika wurden in 25 Jahren 33.000.000 Fische besendert und es liegen Datensätze von 150.000.000 Aufnahmen vor. Insgesamt kann man feststellen, dass mit der Weiterentwicklung der Forschung wesentlich präzisere Aussagen zur Migration von Fischen getroffen werden können. Somit wird die Überwachung und Auswertung von Fischpässen mit den verschiedensten Arten möglich. Grundsätzlich gibt es weltweit die Möglichkeit, diese Untersuchungen durchzuführen, doch in Europa sind hohe bürokratische Hürden bei Genehmigungsverfahren zu überwinden, so Armando Piccinini.

2. Einfluss des Kormorans auf die Fischbestände in Thüringen – Jens Görlach, Schleusingen, Dr. Falko Wagner, Jena, Maria & Wolfgang Schmalz, St. Killian

Im Frühjahr 2017 wurden während dem relativ kalten Winter auf der Fläche Thüringens hohe Kormorandichten registriert. Es galt, den Einfluss dieser Vögel an befischten und mit gleicher Methodik bearbeiteten Gewässerabschnitte gem. WRRL vergleichsweise zum Jahr 2106 deutlich zu machen. Hierzu wurde vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft eine umfassende Untersuchung finanziert, der LAVT e.V. fungierte als Auftraggeber. So wurden 23 unterschiedliche Gewässerabschnitte befischt und auf Bestandsdichten der Fische untersucht. Herr Görlach machte im Vortrag deutlich, dass die adulten Fische dieser Bereiche fast komplett fehlten. Eine Anzahl an juvenilen Fischen und Kleinfischarten waren vorhanden. Leit- und Schirmarten der unterschiedlichen Gewässertypen hatten eine deutliche Bestandsdepression zu verzeichnen. Diese betrug bei Winterverlusten von 45% – 95%. Im Mittel wurde ein Wert von 60% festgestellt. Selbst die naturnahe Befischungsstrecke der Schleuse, um 1990 noch für hervorragende Äschenbestände bekannt, hatte noch drei Äschen vorzuweisen. Vergleicht man rückwirkend die Zusammenhänge zwischen milden Wintern und dem Prädationsdruck des Kormorans, so kann man klare Zusammenhänge mit dem Erhalt von ertragsfähigen Fischbeständen erkennen. Die Plastizität des Kormorans bei seinen Beutezügen ist bemerkenswert. Es wird aber auch deutlich, wie eine fehlgeleitete Schutzpolitik andere Arten in ihren Beständen stören kann. Es ist die Verantwortung von Wissenschaft, Politik, Anglern, Naturschützern und Jägern an diesem Problem zu arbeiten. Der Tenor der Diskussion zum Beitrag war, dass man nicht auf europäische Lösungen warten kann. Dann sind die autochthonen Fischbestände der Gewässer erheblich gestört. Auch ein „Vergrämungsabschuss“ zeigt, wie zahlreiche Beobachtungen belegen, durchaus Wirkung. Kormorane meiden innerhalb bestimmter Zeitabstände diese Gewässerabschnitte.

Das Gutachten kann gelesen oder herunter geladen werden.

3. Können Fische Eutrophierungseffekte im hyporheischen Interstitial verringern?

Ein Mesokosmosversuch im Fließgewässer Dr. Dirk Hübner & Madlen Gerken, Roman Fricke, Theresa Graf, Jörg Schneider, Carola Winkelmann BFS (Marburg / Frankfurt)

Ob Fischarten Einfluss auf das Kieslückensystem in Fließgewässern haben, sollte in diesem Vortrag von Dr. Dirk Hübner deutlich gemacht werden. Bei dem Versuch mit der Nase (Chondrostoma nasus) und dem Döbel (Squalius cephalus) wurden in einem Flussabschnitt verschiedene Segmente abgesteckt, die einem wissenschaftlichen Vergleich entsprachen. Die Segmente waren alle gleich groß, hatten dieselbe Fließgeschwindigkeit, Beschattung und Untergrundbeschaffenheit. Im Kieslückensystem wurden Sauerstoffmessungen in drei verschiedenen Tiefen und die Trockenmasse als Indikatoren festgelegt. Die Fische wurden dann in diesen Käfigen in einer bestimmten Dichte und ein Käfig ohne Fische mehrere Wochen im Fluss belassen. Gleichzeitig wurden vorab alle Werte in den drei Bereichen ohne Fische gemessen. Festgestellt wurde, dass in den Bereichen der Nase die besten Sauerstoffwerte im Kieslückensystem gemessen wurden. Die Trockenmasse und Durchlässigkeit war in den mit Großfischen besetzten deutlich höher als im Bereich ohne Fischbesatz. Es bleibt festzustellen, dass die Artenausstattung der Gewässer mit adulten Fischen einen wesentlichen Anteil an der Verbesserung des Kieslückensystems zur Folge hat. Bei der Umsetzung der WRRL muss dieser wesentliche Aspekt genauso beachtet werden wie die Prädationsfaktoren der Fische.

Am Samstagnachmittag konnte mit einem Schlusswort von Martin Görner ein positives Fazit über die Tagung gezogen werden. Für die Angler unter den Teilnehmern wurde sicher deutlich, welche Faktoren in die Bewertungen zur Bewirtschaftung und Pflege von Gewässern aus wissenschaftlicher Sicht einfließen. Für Behördenmitarbeiter hingegen, mit welchem Fleiß und Mut Vereine vor Ort für die Natur arbeiten. Für die Wissenschaft kam die Forderung auf, nicht alle Arbeiten nur in Englisch oder in hoch renommierten Fachzeitschriften zu publizieren. Vielmehr ist eine gemeinsame Verzahnung mit klarer Zielstellung entscheidend. So können auch kurzfristig hervorragende Ergebnisse erzielt werden. Im Februar 2019 soll die nächste Tagung durchgeführt werden.

Karsten Schmidt, Präsident VANT e.V.

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